Geschichte

Die Art wurde zuerst von Knowles & Westcott 1838 beschrieben, basierend auf Barkeria uniflora (syn. elegans) zu Ehren von George Barker aus England. 1862 führte H. G. Reichenbach`s Sohn die Gattung Barkeria in die Gattung Epidendrum über. Über 100 Jahre später erkannte R. Schlechter, dass es sich um eine eigene Gattung mit eindeutigen Unterscheidungsmerkmalen handelt. 1970 trennten Thien und Dressler Barkeria wieder von der Gattung Epidendrum ab. Ab 1988 setzte eine rege Hybridisierung ein. Bis heute sind über 60 Hybriden angemeldet worden.

 

 

Heimat

Die Barkerien kommen entlang der pazifischen Küstenkordilleren von Mexiko bis Panama vom 12. bis zum 23. Breitengrad vor. 11 der 15 beschriebenen Arten sind ausschliesslich in Mexiko beheimatet. Die Barkerien kommen auf Meereshöhe, bis in eine Höhe von 2400 M.ü.M. vor. Meistens wachsen sie auf kleinwüchsigen Eichen oder Kakteen, entlang von Bachläufen, welche nur während der Regenzeit (April - August) Wasser führen. Es sind relativ kleine Pflanzen. Die Länge der Pseudobulben variiert von 10 cm bis 30 cm. Wenn man die natürlichen Wachstumsbedingungen nicht einhält, sind die Pflanzen sehr schnell dem Tod geweiht.

Einige Arten sind in der Natur sehr selten. Barkeria whartoniana z.B., wurde nur an einer Stelle gefunden. Das Verbreitungsgebiet ist nicht grösser als ein Fussballfeld! Nur wenige Menschen haben Barkeria whartoniana in ihrem natürlichen Habitat gesehen. Auch Barkeria dorothea, Barkeria melanocaulon und Barkeria shoemakeri sind extrem selten, deshalb sollte man zu diesen Pflanzen besonders sorge tragen.

Kulturanleitung für die Gattung Barkeria

Die Gattung Barkeria ist eine relativ kleine Gattung. Aber einige Arten haben wunderschöne, langandauernde Blüten, oftmals an verzweigten Blütenständen.
Leider haben viele Orchideenkultivateure Schwierigkeiten mit der Kultur der Barkerien. Gegen Ende der Trockenzeit, wenn die Barkerien meistens blattlos auf der Holzunterlage kleben, erwartet man nicht, dass aus diesen leblosen Pseudobulben noch irgend etwas spriesst. Dies beinhaltet auch ein wenig die Faszination welche diese Gattung auf den Orchideenliebhaber ausübt. Ich hoffe, dass ich mit der folgenden Kulturanleitung die eine oder andere Unklarheit bezüglich den Standortbedingungen und damit der Kultur klären und somit das Ueberleben einiger Barkerien sichern kann.

 

Man unterscheidet zwei verschiedene Wachstumszyklen.

Die kühl zu kultivierenden Arten:

Barkeria melanocaulon, Barkeria fritz-halbingeri und Barkeria spectabilis wachsen in Mexiko auf einer Höhe von 1800 M.ü.M. bis 2400 M.ü.M. Im Januar beginnt das Wachstum nach der ca. 4 monatigen Trockenzeit. Das unterste Nodium schwillt an, das Triebwachstum beginnt und erst später erscheinen die ersten Wurzeln. In den Monaten Februar bis März erhöht man die Wasser und Düngergaben kontinuierlich. Ab April bis Juni giesst und düngt man häufig. Ab Juni blühen sie dann bereits am noch nicht ganz fertig entwickelten Neutrieb. Anschliessend an die Blütezeit beginnt allmählich die Trockenzeit, welche bis in den Januar hinein dauert! Die Trockenzeit ist geprägt von sehr hoher Luftfeuchtigkeit und viel Licht, mit Nachttemperaturen bis gegen 10 °C. Wenn man die Pflanzen zu feucht kultiviert, treiben sie im August nochmals aus und blühen im November ein zweites Mal. Die Blütenstände sind jedoch in der normalen Blütezeit viel kräftiger. Barkeria melanocaulon Barkeria fritz-halbingeri und Barkeria spectabilis werden am besten in einem kühlen bis temperierten Kulturraum gepflegt.

An gut kultivierten, erwachsenen Pflanzen bilden Barkeria melanocaulon und Barkeria fritz-halbingeri bis zu 25 Blüten an einem bis zu 80 cm langen unverzweigten Blütentrieb. Barkeria spectabilis macht bis zu 10 Blüten. Mit einem Durchmesser von ca. 8 cm, die Grössten der Gattung. Am besten wachsen die Pflanzen aufgebunden auf einem Rindenstück (z.B. Korkeiche). Da sich die Pflanzen vegetativ nur sehr langsam vermehren und an der alten Pseudobulbe immer nur ein Neutrieb erscheint, bindet man am besten gleich einige Pflanzen zusammen auf das Rindenstück.

 

Die temperiert bis warm zu kultivierenden Arten:

Alle anderen Arten, welche auf Meereshöhe bis ca. 1700 M.ü.M. vorkommen beginnen mit dem Triebwachstum erst im April, gleichzeitig mit dem Beginn der Regenzeit. In den folgenden Monaten brauchen die Barkerien für ihr schnelles Wachstum viel Wasser, Licht und Nährstoffe. Düngerkonzentrationen bis gegen 0.3% werden mit einer üppigen Blütenpracht belohnt. Der Neutrieb muss bis zum Ende der Regenzeit, August / September voll ausgebildet sein. Da die Wurzeln viel frische Luft brauchen wachsen sie am besten aufgebunden auf einem Aststück, einer Rebenwurzel oder einem Farnwurzelbrettchen. Ein heller, luftiger Standort, sagt den Pflanzen zu. Während des Frühjahrs und des Sommers wird die Pflanze häufig in Wasser getaucht. Dabei darf bei jedem Giessen eine mittlere Dosis Volldünger (0.2 %) zugesetzt werden. Ab September beginnt die Trockenzeit. Das heisst, sie bekommen nur noch gelegentlich Wasser,. Nachttemperaturen bis gegen 14 °C werden problemlos verkraftet. Die Devise lautet, lieber zu wenig als zu viel Wasser. Spezielle Aufmerksamkeit erfordern in dieser Hinsicht Barkeria naevosa, strophinx und dorothea. In der Natur kommen diese Arten an besonders windexponierten Stellen vor. Einige Male zu feucht gehalten, kann während der extremen Trockenzeit bereits den Verlust der Pflanze bedeuten!

Für alle Barkerien ist ein gutes Wurzelwerk (Luftwurzel) sehr wichtig. Da sie in der kurzen Vegetationszeit möglichst schnell wachsen müssen, sind sie zur Nährstoffaufnahme auf möglichst viele intakte Luftwurzeln angewiesen. Lässt man die Pflanzen 2 - 3 Jahre auf der gleichen Unterlage wachsen, entwickeln sie sich zu prächtigen Showpflanzen.

 

Roland Schafflützel, Lilienweg 17, 3053 Münchenbuchsee / www.barkeria.ch